Das "Institut für touristische Raumplanung" (ITR), 1992 von Dr. Volker Fleischhacker (...nur wer nachdenkt, kann vorausdenken.) gegründet, ist ein auf Forschung, Planung, Beratung, Projektmanagement und Marketing im Bereich der Tourismus- und Freizeitwirtschaft sowie der Regionalentwicklung spezialisiertes Unternehmen (GesmbH), das seit einigen Jahren als Einzelunternehmen tätig ist.

Die Arbeitsweise des ITR zeichnet sich durch ganzheitliches und vernetztes Denken, durch interdisziplinäres Vorgehen bzw. eine thematische Breite und durch hohe Praxisnähe aus.

Die räumliche Bezugsebene der Arbeiten sind sehr vielfältig, sie reichen von der Bundesebene über die Landes- und Regionalebene bis zur Orts- bzw. Betriebsebene. Das ITR ist vor allem in Österreich aber auch in anderen europäischen Ländern tätig.

Seit langem werden u.a. auch die segmentspezifischen Entwicklungstrends im österreichischen Sommer- und Winter(sport)tourismus analysiert, die interessant bzw. z.T. sehr unterschiedlich sind. Für die Touristiker auf Betriebs-, Orts- und Destinationsebene stellen diese hier aufbereiteten spezifischen Angebots- und Nachfragetendezen eine robuste Basisinformation dar.

 

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Informationen darf ohne schriftliche Genehmigung des Autors vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fällt insbesonders auch die Vervielfältigung per Kopie, der Aufnahme in elektronische Datenbanken und Vervielfältigung auf CD-ROM oder Online-Dienste.

 

8. Dez, 2015

 

 

 

 

 

Tendenzen des Wintersporttourismus in Österreich

Angebots- und Nachfragestrukturen in den Wintersportgemeinden

1995/96 - 2013/14

 

 

 

ITR-Arbeitsbericht 2/2015

1. Ausgangssituation und Zielsetzung

Der Nächtigungstourismus in der Wintersaison in Österreich wird zwar mengenmäßig vom schneeabhängigen Wintersporttourismus stark geprägt (66 % der Winternächtigungen 2013/14; 75 % im Winter 1995/96), zahlreiche nicht-schneeabhängige Angebots- bzw. Nachfragesegmente gewinnen zunehmend an Bedeutung, Tendenz weiter steigend. Im Rahmen der Analyse des Wintersporttourismus wird nicht nur das ökonomische Marktumfeld für den alpinen Wintersport näher untersucht, sondern vor allem die sehr differenzierten Nachfrageentwicklungen in den Wintersportgemeinden/-gebieten Österreichs erstmals analysiert ( Gemeinden mit drei und mehr Seilbahnen bzw. Schleppliften; Gemeinden mit ein bis zwei Anlagen haben lediglich lokale Bedeutung). Mit Hilfe aussagekräftiger wintertourismusrelevanter Indikatoren/Parameter, zu denen auch die saisonalen Schneeverhältnisse zählen, werden die Gründe dieser unterschiedlichen regionalen Entwicklungstendenzen dargelegt.

2. Struktur- und Trendanalyse der Wintersportgemeinden

* Grundlagen, verwendete Daten

Die Analyse des schneegebundenen Wintersporttourismus in Österreich wird primär mit Hilfe einer umfangreichen, sehr detailliert strukturierten und ständig aktualisierten gemeindeweisen Datenbank durchgeführt, in der eine Vielzahl öffentlich zugänglicher tourismusrelevanter Daten enthalten sind, z.B. der Statistik Austria, des BMVIT Seilbahnstatistik, der ZAMG, der BOKU-Met sowie Erhebungsdaten des Autors im Rahmen relevanter Untersuchungen.

* Abgrenzung und Anzahl der Wintersportgemeinden

Als Wintersportgemeinden werden Gemeinden mit drei und mehr Seilbahn- bzw. Schleppliftanlagen definiert. Gemeinden mit ein bis zwei Anlagen sind als Nicht-Wintersportgemeinden einzustufen, ihr Angebot ist nur als Freizeiteinrichtung für die örtliche Bevölkerung von Bedeutung.

Laut Amtlicher Eisenbahn-/Seilbahnstatistik des BMVIT sind mit Stand Winter 2014/15 in 633 Gemeinden Österreichs (27 %) Seilbahn- bzw. Schleppliftanlagen installiert. Von diesen 633 Gemeinden bieten 315 Gemeinden lediglich ein bis zwei Anlagen an. In 318 Gemeinden stehen derzeit somit drei und mehr Anlagen den Wintergästen für die Ausübung des alpinen schneegebundenen Wintersports zur Verfügung. Gegenüber der Wintersaison 1995/96 hat sich die Zahl der Wintersportgemeinden (315) nur marginal verändert.

 ■ Sehr unterschiedliche Standortvoraussetzungen

 In Österreich werden die regionale Verteilung, der Entwicklungsstand und die Nachfrageentwicklung des alpinen Wintersporttourismus bzw. der Wintersportgemeinden entscheidend durch die Landschaftsformen der Gesteinszonen geprägt, nämlich durch die

 * Kristallin Zone der Zentralalpen (Gunstlage) und die

 * Kalkalpen im Norden und Süden (Karnischen Alpen und Karawanken),

 die durch die fast geraden Längstalfurchen im Norden (die Oberläufe des Inn, der Salzach und Enns) und im Süden (Drau) getrennt sind.

 


 

                           Kristallin Zone

Der zentralalpine Kristallin ist widerstands­fähig, die Berge sind massiv, die Talmul­den glatt;

Gerundete Bergformen mit relativ hoch hinaufreichenden Streusiedlungen und aus­         gedehnte, geschlossene Almen in den höheren Lagen;

Gesamteindruck ist majestätisch, ruhig und gewaltig;

Innerhalb der Zentralalpen besitzen die kristallinen Schieferalpen (Kitzbüheler Alpen, Pinzgauer „Grasberge“) durch ihre sanften Geländeformen und bis 1800 m hinaufreichende Grasflächen besonders günstige Erschließungsvoraussetzungen;

Kristallin Zone ist aber deutlich nieder­schlagsärmer (So+Wi) als das nördliche Kalkgebirge; charakteristisch ist hier der warme Föhn, der im Winter der Schnee­decke arg zusetzt;

Der geschlossene Wald reicht in den Zentralalpen bis 2000 m, darüber breitet sich der Almgürtel aus.

                             Kalkalpen

Das wasserdurchlässige Kalkgestein ist dagegen bis ins kleinste leicht zersetzbar,

Kalkgebirge ist daher sehr abwechslungs­reich, schroff, wild und steil,

Vielfach wasserarme verkarstete Kalkstöcke und ‑plateaus, die Wände fallen oft nahezu senkrecht ab;

im Kalkgebirge herrschen geschlossene Orte vor, sie sind aber auf die Täler be­schränkt;

Kalkalpen sind durch Niederschlagsreichtum im So + Wi gekennzeichnet, wie es dem Nordraum der Alpen eigen ist.

Vielfach treten weitläufige geschlossene Waldflächen auf, die die Erschließungen für den Schisport oft erschweren; der geschlos­sene Wald reicht bis rund 1800 m, darüber geringe Almflächen.

 


 

* Umfang und Entwicklung des Seilbahnangebotes

Das sehr hohe Nächtigungs- und Einnahmenvolumen im österreichischen Wintersporttourismus und die langfristige Aufwärtsentwicklung, die einen zwei-saisonalen Tourismus in Österreich bewirkte, sind ohne die touristische "Leiteinrichtung" des alpinen Berggebietes, die Seilbahnen, undenkbar. In der Vergangenheit gingen die stärksten Impulse für die Zunahme der Wintersportnächtigungen in der Regel von den Investitionen in die quantitative und qualitative  Entwicklung des Seilbahn- und Schipistenangebotes - und natürlich auch von den Investitionen für die unmittelbar notwendigen Komplementäreinrichtungen, wie Bergrestaurants, Parkplätze, Zufahrten, Schischulen etc. sowie für die  qualitativen bzw. marktfähigen Verbesserungen des Beherbergungsangebotes - aus.

Die 318 Wintersportgemeinden bieten derzeit (Winter 2014/15) nach der Seilbahn-Anlagenstatistik des BMVIT 1.098 Haupt- und Kleinseilbahnen mit Winterbetrieb und 1.944 Schlepplifte an, insgesamt somit 3.042 Anlagen. Die angebotene höhenbezogene Seilbahntransportkapazität - die beste Kennziffer für die Leistungsfähigkeit bzw. Attraktivität des Seilbahnangebotes - der fast 1.100 Haupt- und Kleinseilbahen beträgt beachtliche 883.111 PersKm/h.

Die Angebotsdynamik ist beeindruckend. So hat sich das Angebot an Haupt- und Kleinseilbahnen in den Wintersportgemeinden seit dem Winter 1995/96 um das 2,5 fache erhöht, nämlich von 446 auf 1.098 im Winter 2014/15. Mit einem Zuwachs in der Höhe von 163 % stieg die Seilbahntransportkapazität noch stärker an, nämlich von 322.886 auf 883.111 Perskm/h. D.h., es wird ein immer leistungsfähigeres und damit attraktiveres Angebot den Wintersportgästen offeriert. Die durchschnittliche Zuwachsrate des Indikators PersKm/h betrug im Beobachtungszeitraum +5,7 % pro Jahr (Anlagen: +4,9 % pro Jahr).

Das starke Kapazitätswachstum geht erheblich auf die Ersatzinvestitionen zurück, die periodisch unerlässlich sind aber mit Kapazitätssprüngen verbunden sind.

 Abb.1: Entwicklung der Seilbahntransportkapazität und der    Winternächtigungen in den Wintersportgemeinden Österreichs 1995/96 bis 2013/14

            

 

 Quelle: ITR-Datenbank u. Bearbeitung; Statistik Austria, BMVIT Eisenbahnstatistik

 *   Personenhöhenkilometerr pro Stunde-PersKm/h der Haupt- und Kleinseilbahnen Österreichs

** in Gemeinden mit drei und mehr Seilbahn- bzw. Schleppliftanlagen 

Die Seilbahnerschließungen gaben nicht nur dem Wintersporttourismus kräftige Impulse, sie haben auch dazu beigetragen, dass sich in Österreich eine starke, exportorientierte Seilbahnbau- und Schiindustrie entwickeln konnte mit Unternehmen, die seit langem erfolgreiche Weltmarktführer in ihren Branchen sind. 

Derzeitige Schneesicherheit der Wintersportgemeinden

Nach Berechnungen von Formayer[1] ist derzeit die Seehöhe ab der mindestens 90 % des Winterniederschlages im Kernwinter (D,J, F) in Form von Schnee fällt in Österreich sehr unterschiedlich. Die Abb. 2 zeigt, ab welcher  Seehöhe man von einem gesicherten Schneedeckenaufbau ausgehen kann. In den westlichen Wintersportgemeinden wird ein derartig sicherer Schneedeckenaufbau erst ab etwa 1300 m erreicht und in den südlichen Wintersportgemeinden teilweise sogar erst ab 1600 m Seehöhe. 

 Vergleicht man den Mittelwert  der Seehöhe der Ausgangspunkte der Haupt- und Kleinseilbahnen (936 m; Mittelwert höchster Punkt: 1638 m) mit dem Mittelwert ab der ein sicherer Schneedeckenaufbau in den 318 Wintersportgemeinden gegeben ist (1269 m), so liegen die Ausgangspunkte rund 40 m unter dem gesicherten natürlichen Schneedeckenaufbau.

         Abb.: 2

 

[1] Formayer, H. und Kromp-Kolb, H. (2009): Klimawandel und Tourismus in Oberösterreich (Endbericht im Auftrag der OÖ Landesregierung und OÖ Tourismus). BOKU-Met Report 18

Im schneearmen Winter 2006/07 zeigte sich, wie sich ein warmer und teilweise trockener Winter selbst bei derzeitigen Klimabedingungen auf den österreichischen Wintersporttourismus auswirken kann. Das Ergebnis ist deutlich, aber nicht überraschend: Je höher die Wintersportgemeinden über der natürlichen Schneefallgrenze liegen, umso besser schnitten diese Gemeinden in der Regel im schneearmen Winter ab. Die Wintersportgemeinden, die derzeit mindestens 100 m über einem gesicherten Schneedeckenaufbau liegen, mussten im Winter 2006/07 im Durchschnitt Nächtigungseinbußen von 3,3 % verzeichnen, sie waren deutlich geringer als in den Gemeinden, die im „Übergangsbereich“ (über/unter 100 m dem gesicherten Schneedeckenaufbau) liegen (-5,8 %). Die Wintersportgemeinden, die bereits 100 m und mehr unter der natürlichen Schneefallgrenze liegen, mussten mit -6,8 % doppelt so starke Frequenzeinbußen hinnehmen wie die schneesicheren Schigebiete.

Die Nächtigungsfrequenzen im schneearmen Winter 2006/07 beweisen auch, dass die acht Gletscherschigebiete Österreichs einen Wettbewerbsvorteil darstellen. In den acht Gletscherschigebiets-Standortgemeinden  wurde insgesamt zwar auch ein Nächtigungsrückgang registriert, mit -2,0 % gegenüber dem Durchschnitt der Winter 2005/06 und 2007/08 fiel er aber deutlich geringer aus, als in den übrigen Wintersportgemeinden Österreichs.

 

■ Größe des Seilbahnangebotes der Wintersportgemeinden

Die Größe des Seilbahnangebotes (Kundenmehrwert) zählt zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für Wintersportorte. Die Position im nationalen und internationalen alpinen Schitourismus kann in grober Form durch eine Bewertung der Wintersportgemeinden nach der Größe des Seilbahnangebotes aufgezeigt werden, wobei folgende Klassifizierung im Hinblick auf die Markt- bzw. Wettbewerbsfähigkeit zu unterscheiden sind:

A: Marktdominierende, große, nationale bis internationale

    wettbewerbsfähige Wintersportgemeinden 

    A1: Internationale Wintersportgemeinden

          außergewöhnlich großes Seilbahnangebot mit mehr als 30 Seilbahnen

    A2: Nationale bis internationale Wintersportgemeinden

          besonders großes Seilbahnangebot mit 21 bis 30 Seilbahnanlagen 

    A3: Große bis sehr große Wintersportgemeinden

          mit 11 bis 20 Anlagen

B: Mittelgroße Wintersportgemeinden mit eingeschränter Wettbewerbs-

     fähigkeit mit 6 bis 10 Anlagen

C: Kleine Wintersportgemeinden mit 3 bis 5 Anlagen

D: Lokale Bedeutung mit 1 bis 2 Anlagen

Die Bewertung der Wintersportgemeinden nach der Größe ihres Seilbahnangebotes im Hinblick auf ihre nationale und internationale Wettbewerbs- bzw. Marktstellung zeigt, dass Österreich über 101 große bis internationale Wintersportorte/-gemeinden verfügt (vgl. Tabelle 1, A1 bis A3 Resorts) und damit ein sehr großes wettbewerbsfähiges Angebot den internationalen und nationalen Gästen offeriert. Österreich ist damit, neben Frankreich, die weltweit führende Schi- bzw. Wintersportdestination.

 

Tab. 1: Klassifizierung der Wintersportgemeinden Österreichs  nach der Größe des Seilbahnangebotes

 


 

Angebotsgröße

 

 

 

         Größenklasse

 

 

Zahl der Seilbahnanlagen

Anzahl der Gem. 1995/96

Anzahl der Gem. 2013/14

        

               Nicht-Wintersportgemeinden      

                        lokale Bedeutung 

                                      1 bis 2

1 (D)

319

315

kleine Wintersportorte

3 bis 5

2 (C)

139

125

mittelgroße Wintersportorte mit eingeschränkter  Wettbewerbs-                            fähigkeit                                            

6 bis 10

3 (B)

85

92

große bis sehr große Wintersportorte      

11 bis 20

4 (A3)

69

75

nationale bis internationale             Wintersportorte                      

21 bis 30

5 (A2)

16

16

   internationale Wintersportorte       

mehr als 30

6 (A1)

6

10

                              insgesamt (2-6)

 

315

318

                      Abb.: 3


 

 

 

 

 

Auch in Österreich ist die Entwicklung zu großen Wintersportdestinationen zu beobachten, so hat sich die Zahl der A1 bis A3 Resorts seit 1995/96 um zehn erhöht, die der kleinen bis mittelgroßen B und C Resorts um sieben verringert. Für die 217 kleinen und mittleren Wintersportgemeinden ist nach Aussagen von Brachen Vertretern im Rahmen der Österreichischen Seilbahntagung 2012 in Schladming „ …die Zukunft ein brennendes Thema, das immer mehr in den Fokus rückt".

 

Gästebettenangebot und Abstimmung Seilbahnangebot - Winterbetten

In der Saison 2013/14 wurden den Winterlogiergästen 627.000 Betten offeriert, die Hälfte davon (49,4 %) in  gewerblichen Betrieben (Hotellerie). Der Qualitätsbetten-Anteil (Betten in 3/4/5-Sterne Betrieben an Gästebetten gesamt) beträgt 40,6 % und ist hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit des Bettenangebotes als gut zu bewerten. Dies ist insofern von Bedeutung, da die Qualität der Beherbergungsbetriebe neben der Schneesicherheit, Größe des Schigebietes, Erreichbarkeit/Anreise und Wartezeiten bei den Seilbahnen zu den wichtigsten Entscheidungskriterien für die Wahl eines Schigebietes zählt[1].

                                                                                                                                                  

Als sehr gut ist die Abstimmung Seilbahntransportkapazität – Winterbetten einzustufen. So werden derzeit 1,4 PersKm/h der Haupt- und Kleinseilbahnen pro Gästebett und damit den Schifahrern angeboten.

■ Nächtigungsvolumen des schneegebundenen Wintersporttourismus

In der Wintersaison 2013/14 wurden in Österreich 64,5 Mio. Gästenächtigungen in rund 1.600 Berichtsgemeinden zur Tourismusstatistik registriert. Dieses namhafte Nachfragevolumen kann aber nicht dem schneegebundenen Wintersporttourismus voll zugerechnet werden, da diese Nachfragemenge auch von anderen wichtigen Nachfragesegmenten des Tourismus in den sechs Wintermonaten generiert wird, wie beispielsweise dem Städtetourismus, Kur- und Gesundheits-/Thermentourismus, Kongress-/Tagungs-/Messetourismus, Donautourismus oder dem Weinstraßentourismus, in denen keine touristische Infrastruktureinrichtung für die Ausübung des Schisports, nämlich die Leiteinrichtung Seilbahnen und Schlepplifte, vorhanden ist. In den 318 Wintersportgemeinden  wurden im Winter 2013/14  insgesamt 42,96 Mio. Nächtigungen erzielt, der Gemeinde-Mittelwert beträgt rund 135.500 Winternächtigungen und ist mit diesem Nächtigungsumfang hinsichtlich der nationalen/internationalen Stellung  als befriedigend zu bewerten.

Der schneeabhängige alpine Wintersport-/Schitourismus besitzt zwar mengenmäßig mit einem Nächtigungsanteil von 66,6 % einen dominierenden Stellenwert im österreichischen Wintertourismus, der Anteil der Nicht-Wintersportgemeinden am Nächtigungsvolumen des Landes hat sich aber seit 1995/96 von 26,4 % (13,4 Mio.) fast kontinuierlich auf 33,4 % (21,5 Mio.) im Winterhalbjahr 2013/14 erhöht. Tendenz steigend.  

  ■ Verhältnis Winternächtigungen - Transportkapazität

Im Winter 2013/14 wurden in den Wintersportgemeinden  im Durchschnitt 52 Nächtigungen pro Personen-Höhenkilometer/h erzielt. Wie auch die Abb.1 zeigt, haben sich im Untersuchungszeitraum die quantitativen Angebotserweiterun­gen auf dem Seilbahnsektor (Vergrößerung der Transportkapazität) deutlich stärker entwickelt als die Winternächtigungen, mit dem unbefriedigenden Ergebnis, dass pro Jahr ein immer geringeres Winternächtigungsvolumen pro installierten Personen-Hö­henkilometer/h lukriert wird. Diese markante Kennziffer hat sich seit dem Winter 1995/96 von 115 auf 52 Nächtigungen pro PersKm/h in der Saison 2013/14 verringert und damit mehr als halbiert.

 

        Abb.4 Entwicklung der Winternächtigungen in den Wintersportgemeinden gesamt und

                  pro Personen-Höhenkilometer/h der Haupt- und Kleinseibahnen 1995/96 bis 

                  2013/14

        Quelle: Statistik Austria, BMVIT-Eisenbahnstatistik, ITR-Datenbank und Bearbeitung

 

■  Ersteintritte (Skiervisits) bzw. Besucherfrequenz

 Aus dem „Wirtschaftsbericht der Seilbahnen“ der WKÖ ist zu entnehmen, dass von den an der jährlichen Erhebung teilnehmenden Seilbahnunternehmen Österreichs im Winter 2013/14 50,8 Mio. Ersteintritte[2] gemeldet bzw. von den Autoren für die Grundgesamtheit von 249 Seilbahnbetrieben hochgerechnet wurden.[3] Stellt man die Ersteintritte bzw. Besucherfrequenz, in denen auch Schi-Tagesausflugsgäste und Ortsansässige enthalten sind, den 42,56 Mio. Logiernächtigungen in den Wintersportgemeinden in der Saison 2013/14 gegenüber, so resultieren daraus 1,19 Ersteintritte pro Nächtigung. Die errechnete Kennziffer, die auch auf die große Bedeutung des Schi-Tagesausflugsverkehrs hinweist, hat sich in letzten Jahren nicht wesentlich verändert.

Internationale Führungsrolle Österreichs

 Gemäß Vanat (2015)[4] wurden in Frankreich 55,6 Mio. Skiervisits gezählt, deutlich weniger in den Schiresorts Italiens mit 27,2 Mio. und der Schweiz mit 24,5 Mio. Mit über 106 Mio. Ersteintritten zählen Frankreich (31 %) und Österreich 28 %) zu den wichtigsten Wintersportdestinationen der Alpen (hier Österreich, Frankreich, Italien, Schweiz und Deutschland) mit ihren insgesamt rund 180 Mio. Ersteintritten. Der Anteil der Schweiz liegt mit 14 % ungleich tiefer.

Weltweit gibt es 47 „Major Ski Resorts“ (über 1 Mio. Skiervisits pro Wintersaison)[5], davon befinden sich 14 oder 30 % in Österreich (Tirol 10, Salzburg 2, Steiermark 1, Vorarlberg 1), was die Führungsrolle Österreichs im globalen Wintersportmarkt unterstreicht. In diesen 14 "Major Ski Resorts" in Österreich werden insgesamt fast 22 Mio. Skiervisits im Winter registriert, in drei davon sogar zwischen 2,0 und 2,4 Mio. ( Tirol 2, Salzburg 1).

Wie aus den aktuellen Analyseergebnissen der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hervorgeht[6], stagnierten die Besucherfrequenzen mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von +0,4 % in den letzten 12 Jahren weitgehend. Zwischen den einzelnen Ländern ist es zu einer gewissen Verschiebung gekommen. Blieben die Besucherfrequenzen in Frankreich und Österreich in den letzten Wintersaisonen gegenüber der Saison 2003/04 weitgehend konstant, verbuchte die Schweiz in derselben Periode eine Abnahme der Ersteintritte um 5,8 Mio. oder 20 %. Auch in Italien war die Entwicklung rückläufig, während die Besucherfrequenz in Deutschland, allerdings von einem tiefen Niveau ausgehend, anstieg.

 ■ Langfristige Nachfragetendenzen

 Wenn man die Nachfrageentwicklung im österreichischen Nächtigungstourismus der letzten Jahrzehnte betrachtet, so wurde die langfristig eindrucksvolle Aufwärtstendenz wesentlich vom Wintertourismus beeinflusst (vgl. Abb. 4).

 * Während der Sommertourismus seit Beginn der 70er Jahre durch mehrere markante Zu- und Abnahmephasen gekennzeichnet ist und im Sommer 2014 rund 65 Mio. Gästenächtigungen erreichte,

 * ist der Wintertourismus bis in den 60er Jahren noch durch eine eher ruhige Entwicklung geprägt, der Tourismusboom in den 50er und 60er Jahren in Österreich ging damals primär auf den Sommertourismus zurück.

                              Abb.: 5 Entwicklung der Nächtigungen in Österreich seit 1960/61

Die Erfolgsstory Wintersporttourismus in Österreich begann in der zweiten Hälfte der 60er Jahre mit beachtlichen jährlichen Zuwachsraten. In dieser Phase entwickelten sich vor allem jene Wintersportgemeinden mit den besten Voraussetzungen für den Wintersport. Die Gründungen von Seilbahngesellschaften basierten dabei auf reiner Kapitalbasis, bei denen örtliche Hoteliers, Land-/Forstwirte und interessierte Einwohner mit eigenem Geld und oft mit persönlichen Haftungen „ihre“ Seilbahnunternehmungen gründeten und meist erfolgreich bis heute fortführen.[7]

In den 80er Jahren ist die Entwicklung durch eine deut­lich abgeflachte Zunahmetendenz gekennzeichnet, die auf die schneearmen Winter 1988/89 und 1989/90 zurückzuführen ist. Nach einer langen Phase der Expansion hatte der Wintersporttourismus, der ja sehr wesentlich zur Dezentrali­sierung des Tourismus in Österreich und damit zum positiven Struktur­wandel im alpinen Berggebiet beigetragen hat, zwischen 1992/93 und 1996/97 erstmals eine Abnahmephase, die 1996/97 mit 35,6 Mio. Nächtigungen den bisherigen Frequenz-Tiefststand erreichte und seither nicht mehr kontinuierlich wächst. Der Sommertourismus musste nach dem Allzeit-Höchststand 1991 mit 78,1 Mio. bis 1997 einen 23 Prozent-Nächtigungsückgang  (-18,1 Mio.) verkraften und stagniert seither auf diesem hohen Niveau.

 

■ Vergleich mit Österreich gesamt      

Im Untersuchungungszeitraum 1995/96 bis 2013/14 zeigen die Wintersportgemeinden im Vergleich zu den übrigen Gemeinden Österreichs ein deutlich unterdurchschnittliches Mengenwachstum. Während die übrigen Tourismusgemeinden eine jährliche Zuwachsrate von +2,8 % erzielten (Österreich gesamt: +1,4 %), konnten in den Wintersportgemeinden die Nächtigungsfrequenzen lediglich um +0,9 % pro Wintersaison gesteigert werden. Der bisherige Frequenzhöchststand wurde in der Saison 2008/09 mit 44,3 Mio. Nächtigungen erreicht. Seither, also In den vergangenen fünf Wintersaisonen reduzierte sich hier die saisonale Zuwachsrate auf +0,5 %, die übrigen Tourismusgemeinden konnten sie dagegen auf durchschnittlich +3,1 % pro Saison steigern, sie mussten aber im Winter 2013/14 einen Nächtigungsrückgang von -4,9 % verbuchen.

            Abb.: 6 Entwicklung der Nächtigungen in den Wintersportgemeinden

                       und übrigen Gemeinden Österreichs 1995/96 bis 2013/14

  Herkunftsmärkte und Entwicklung

Die unterschiedlichen Nachfragetendenzen in den Wintersport- und übrigen Tourismusgemeinden Österreichs werden in hohem Maße von der Herkunftsstruktur der Gäste und vom Stellenwert der Haupt-Quellmärkte beeinflusst. Der deutlich überdurchschnittliche Anteil der deutschen Gäste und bescheidene Inländernächtigungsanteil in den Wintersportgemeinden von 44,9 % (19,3 Mio.)[1] bzw. 15,5 % (6,7 Mio.) sind in den Wintersportgemeinden schon längere Zeit keine Wachstumsfaktoren  mehr. So mussten am deutschen Markt seit 1995/96 starke Frequenz Verluste in Kauf genommen werden (-9,4 %), der Anteil des wichtigsten Herkunftsmarktes des Wintersporttourismus verringerte sich seit 1995/96 um -12,4 %-Punkte oder um -2,0 Mio. Nächtigungen.


 

[1] Zum Vergleich: In der Schweiz kommen lediglich 11 % der „Schneesportler“ aus Deutschland. Quelle: Seilbahnen Schweiz (2015): Zahlen & Fakten zur Schweizer Seilbahnbranche, Ausgabe 2014

                                                                               

Der Frequenzanteil der stark wachsenden Zahl der Wintergäste aus dem übrigen Ausland ist mit 39,6 % etwas höher als in den übrigen Gemeinden (36,5 %). Mit einer saisonalen jährlichen Zuwachsrate von +4,3 % hat sich dieser Marktanteil seit 1995/96 um 15,5 %-Punkte stark erhöht und erreichte 2013/14 ein Volumen von bereits 17,0 Mio. Nächtigungen, das aber im Untersuchungszeitraum größere jährliche Zu- und Abnahmen aufweist. 

* Am Inlandsmarkt gewinnen die Nicht-Wintersportgemeinden

Am Inlandsmarkt können die 318 Wintersportgemeinden langfristig nur schwach punkten, die österreichischen Wintergästenächtigungen (6,9 Mio.in der Saison 1995/96; 6,7 Mio. im Winter 2013/14) zeigen nicht nur erhebliche saisonale Schwankungen, mit einer jährlichen  Veränderungsrate von -0,2 % auch eine stagnierende Entwicklung. Die starken saisonalen Nächtigungsschwankungen der Inlandsgäste können damit zusammenhängen, dass Wintersport-Urlaubsentscheidungen immer kurzfristiger getroffen werden, spontane Winter-Kurzurlaube meistens nur bei guter Schneelage/-vorhersage in Österreich unternommen werden.

 

Tab.: 2 Entwicklung der Herkunftsmärkte in den Wintersportgemeinden

 

 

Herkunftsmärkte

       Winternächtigungen in %

 

1995 / 96

2013 / 14

 

 

Wintersport-

gemeinden

übrige

Gemeinden

Wintersport-

gemeinden

übrige

Gemeinden

 

Inland

18,6

50,9

15,5

39,1

 

Ausland gesamt

81,4

49,1

84,5

60,9

 

Deutschland

57,3

35,2

44,9

24,4

 

übriges Ausland

24,1

13,9

39,6

36,5

 

Quelle: ITR-Datenbank & Bearbeitung, Statistik Austria, BMVIT Eisenbahnstatistik

 

 

 

 

 

 

  

 

Abb.: 7 Entwicklung der Nächtigungen nach Hauptherkunftsmarkten in den   Wintersportgemeinden 1995/96 bis 2013/14

 

 
             
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               
               

 

Betrachtet man nämlich die Entwicklung der Winter-Aktivurlaubsreisen der Österreicher im Inland (Tab. 3), so zeigt sich im Zeitabschnitt Winter 2007/08 bis 2013/14 eine fast kontinuierliche mengenmäßige Zunahme um 226.700 Reisen oder um +18,6 % (Inlandsreisen gesamt: +38,3 % ! ), die Winternächtigungen der Inlandsgäste in den Wintersportgemeinden stiegen dagegen lediglich um +2,9 %. Von den mengenmäßig steigenden Winter – Aktivurlaubsreisen profitierten primär die übrigen Tourismusgemeinden Österreichs, wo sich im gleichen Zeitabschnitt die Inlandsnächtigungen um +9,6 % oder um +1,9 Mio. Nächtigungen erhöhten.

 

Tab.: 3 Entwicklung der Winter – Aktivurlaubsreisen der Österreicher im Inland

 

 

         

 

 

Winter

Inlandsreisen

Aktivurlaub im Inland

%-Anteil der Aktivurlaube

 

 

2007/08

3.327.806

1.221.261

36,7

 

 

2008/09

3.659.313

1.278.281

34,9

 

 

2009/10

4.072.738

1.385.178

34,0

 

 

2010/11

3.306.392

1.186.690

35,9

 

 

2011/12

3.879.345

1.394.214

35,9

 

 

2012/13

4.241.478

1.470.971

34,7

 

 

2013/14

4.601.976

1.447.944

31,5

 

 

Quelle: Statistik Austria:  Ergebnisse der quartalweisen Stichprobenerhebungen zum Urlaubs- und Geschäftsreiseverkehr. Spezialauswertung für das ITR

 

 

  

  Zusammenfassung wichtiger Struktur- und Entwicklungsdaten

Aus der Struktur- und. Trendanalyse der Wintersportgemeinden seit 1995/96 ist folgendes Ergebnis  abzuleiten:

     Positiv ist zu vermerken:

        * Mit 101 großen bis internationalen Wintersportgemeinden werden insgesamt sehr

          gute  Voraussetzungen für die     Akzeptanz des Produktes geboten

        * Gute Abstimmung Seilbahntransportkapazität - Winterbetten

  • Das Winter-Gästebettenangebot zeichnet sich durch eine gute Qualitäts­struktur aus

  • Mit einem Mittelwert von 135.500 Winternächtigungen weisen sie ein namhaftes Nachfragevolumen auf und besitzen dadurch eine gute bis sehr gute nationale bzw. internationale Stellung bzw. Wahrnehmung durch umfangreiches und effektives Marketing (Wettbewerbsvorteile)

  • Dominanz der Wintersaison (57,0 %)

  • Längere Aufenthaltsdauer (4,9 Tage; Anreiz für längere Aufenthalte in den zahlreichen großen Schigebieten, da mehr Abwechslung geboten wird)

  • Hoher Auslandsgästeanteil (internationale Ausrichtung; 84,5 %)

  • Mit 49,2 Winternächtigungen pro Einwohner liegt eine hohe Tourismus-Intensität bzw. ökonomische Bedeutung des Wintertourismus vor (hohes Tourismusbewusstsein)

  • Jeder zehnte der insgesamt 404.100 Erwerbstätigen ist im Beherbergungs- und Gastronomiebereich beschäftigt

  • Bevölkerungsentwicklung 1991-2012 (+6,5 %)

  • Frequenzentwicklung auch im Sommer ?

   

      Als Schwachstellen sind anzuführen:

 

  • Der Mittelwert der Ausgangspunkte der rund 1.100 Haupt- und Kleinseilbahnen liegt unter dem gesichertem   natürlichen Schneedeckenaufbau

  • Unterdurchschnittliche Nachfrageentwicklung im Winter

  • Am Inlandsmarkt gewinnen die Nicht-Wintersportgemeinden

  • Mangelhafte Bettenauslastung  (70 Belegstage)

  • Das Nächtigungsvolumen pro PersKm/h hat sich stark reduziert bzw. halbiert

 

AKTUALISIERUNG mit Stand Winter 2015/16 in Vorbereitung

  

     3.Tendenzen im ökonomischen Marktumfeld des Wintersporttourismus[1]

 

Die Tourismuswirtschaft wird von zahlreichen Faktoren/Bestimmungsgründen angetrieben. Diese Faktoren können aber sowohl wachstumstreibend als auch nachfragedämpfend wirken. Auch der Wintersporttourismus in Österreich wird somit unmittelbar von den Entwicklungen im ökonomischen Marktumfeld beeinflusst. Im Rahmen der Analyse soll daher auch ein grober Blick auf lang- bis mittelfristige  Umfeld Entwicklungen gerichtet und Zusammenhänge zwischen der Nachfrageentwicklung in den Wintersportgemeinden und der Entwicklung ökonomischer Parameter aufgezeigt werden, wobei die Frage von besonderen Interesse ist, wie sich ungünstige/positive wirtschaftliche Wachstumssituationen/-perioden in den beiden Hauptherkunftsmärkten Deutschland und Österreich (60 % der Nächtigungen im Winter) auf die Nachfrageentwicklung in den Wintersportgemeinden und übrigen Tourismusgemeinden Österreichs im Untersuchungszeitraum auswirkte. Für die Touristiker auf Betriebs-, Orts- und Regionalebene stellen diese aufbereiteten Entwicklungstendenzen eine robuste Basisinformation dar

        Bestimmungsfaktoren

         Folgende wichtige Bestimmungsfaktoren der Nächtigungsveränderung in den       Wintersportgemeinden Österreichs sollen hier betrachtet werden:

 

       + Niveau und Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und BIP/Einwohner

 

Die touristische Nachfrage wird am stärksten durch das Niveau und den Wachstumstrend des Bruttoinlandsproduktes bestimmt. Das BIP gilt als Ausdruck für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft und ist der am häufigsten verwendete Indikator zur Messung des Wohlstandes von Ländern/Regionen, wobei als Wachstum von Ökonomen die Veränderungsrate des realen BIPs im langfristigen Trend bezeichnet wird.

 

Wirtschaftswachstum bzw. Wohlstandssteigerungen haben den modernen Tourismus ermöglicht, indem sie Urlaubsreisen für die breite Masse erschwinglich gemacht haben. Mit einem hohen BIP je Einwohner geht auch eine hohe Reiseintensität der Bevölkerung einher.

 

+ Entwicklung der verfügbaren Einkommen

 

Ein weiterer zentraler Bestimmungsfaktor des Tourismuswachstums ist und bleibt die Entwicklung des verfügbaren Realeinkommens, sie bestimmt den Ausgabespielraum, den der private Haushalt in der betrachteten Periode zur Verfügung hat.  Nimmt die Kaufkraft bzw. der Wohlstand zu, so werden die Leute in der Regel reisefreudiger. Je höher das frei verfügbare Einkommen ist, umso höher ist die Reiseintensität, und umso eher wird auch eine Auslandsreise unternommen.

 

 

Die touristischen Ausgaben nehmen nicht nur mit der Wohlstandssteigerung zu, sondern expandieren in der Regel langfristig stärker als das persönlich verfügbare Einkommen, der private Verbrauch insgesamt oder die Gesamtwirtschaft. Das bedeutet, dass sich im langfristigen Entwicklungsprozess die Nachfrage nach der Sättigung der Grundbedürfnisse (Nahrung, Bekleidung, Wohnung) zu hochwertigen Gütern und den touristischen Dienstleistungen verschob, wobei Urlaubsreisen im Vergleich zu anderen Konsumbereichen bereits einen sehr hohen Stellenwert haben.

 

Innerhalb der Tourismusausgaben fand eine Nachfrageverschiebung zu den höherwertigen Urlaubsformen statt, wie zum Wintersporturlaub und in den letzten Jahren sehr markant zu Kultur- bzw. vor allem  zu Städtereisen, die weiter boomen und ganzjährig Hochsaison haben und mittlerweile zu fast 50 Prozent im Winterhalbjahr unternommen werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 waren es zwei Drittel.

Wintersport ist grundsätzlich eine teurere Freizeitaktivität, die neben den mit dieser Aktivität verbundenen Ausgaben für die Personenbeförderung mit Seilbahnen und Schleppliften immer auch Kosten für den Kauf oder das Leihen der Wintersportausrüstung, sowie häufig für Übernachtung und Verpflegung in der Wintersportgemeinde, anfallen.

Diesbezüglich ist anzumerken, dass kurz- bis mittelfristig die Kaufkraft stagnieren bzw. eine Steigerung des verfügbare Einkommens wenig wahrscheinlich sind. In den hochentwickelten Ländern Europas wird das Urlaubsbudget nicht mehr wesentlich steigen.

 

 

         + Konjunktursituation und –entwicklung

 

Kurzfristig spielen für die Tourismusnachfrage auch die Konjunkturentwicklung[2] und vor allem die Wirtschaftserwartung eine wichtige Rolle. Nach Erkenntnissen der Wissenschaft haben die Erwartungen im Bereich der Arbeitsplatzsicherheit und der Einkommensentwicklung eine zentrale Steuerungswirkung darauf, wer wie viel konsumiert bzw. für Urlaubsreisen ausgibt. Eine als stabil  wahrgenommene individuelle wirtschaftliche Situation ist somit eine wichtige Voraussetzung für den Urlaubs- bzw.Wintersporttourismus. Ist die gesamtwirtschaftliche Situation stabil, so resultieren daraus in der Regel auch steigende Reise-/Urlaubsausgaben.

 

Bis in die 80er Jahre herrschte oftmals die Meinung vor, der Tourismus sei weitgehend konjunkturunabhängig und wenig krisenanfällig. Seit der wirtschaftlichen Rezession Anfang  der 90er Jahre dominiert jedoch die Auffassung, dass der Tourismus relativ stark konjunkturabhängig ist, die Auswirkungen jedoch mit gewissen Verzögerungen eintreten. Erwiesen ist, dass die konjunkturbedingten Schwankungen der touristischen Nachfrage geringer sind als in anderen Wirtschaftszweigen (z.B. Bauwirtschaft) und dass sich konjunkturelle Rückschläge weniger in Frequenzeinbußen als vielmehr in Umsatzrückgängen äußern: Es wird weniger weit, weniger lang, weniger häufig und billiger gereist, aber verreist wir dennoch. Urlaubsreisen gehören seit langem zu den „essentials“ von Industriegesellschaften.

 

 

 

Tab.: 4 Wirtschaftswachstum in Deutschland und Österreich und Winter-Nächtigungsentwicklung deutscher und inländischer Gäste in den Wintersportgemeinden Österreichs seit 1995/96

 

 

                                                                           Veränderung im Durchschnitt pro Jahr in Prozent

                                                           1995/96 bis 1996/97      1997/98 bis 2002/03      2003/04 bis 2007/08       2008/09 bis 2013/14           1995/96

 

                                                                         1993er Rezession mit           Zusammenbruch der                      Boom Phase                    Finanz- u. Wirtschafts-                   bis

 

                                                                                                  nachfolgender                   New Economy 02/03                     der Wirtschaft              krise  08/09 und folgende             2013/14

 

                                                                                 Konjunkturflaute                                                                                                                         Konjunkturflaute                      langfristig                 

 

 

 

 

Wirtschaftswachstum in

 

 

 

Deutschland

 

 

 

            BIP real                                   1,80                            1,62                             2,12                              2,22               1,82

 

 

 

            BIP/Kopf                                 0,95                            1,27                             1,68                              0,67               1,19

 

 

 

            verfügbares Haus-

 

 

 

            haltseinkommen                  0,70                             1,33                             0,64                              0,10               0,67

 

 

 

        

 

 

 

           Nächtigungen  deutscher

 

 

 

           Gäste                                     - 0,20                            0,80                            -2,62                            -2,48              -0,37

 

 

 

 

Österreich

           BIP real                                   2,30                            2,45                              2,66                             0,43                2,21

           BIP/Kopf                                 2,15                            2,05                              2,18                           -0,03                 1,40

           verfügbares Haus-

           haltseinkommem               -0,80                             1,87                              2,16                           -0,34                 1,18

 

          Nächtigungen inländischer

          Gäste                                     -9,30                             2,92                            -3,92                           -1,08                -0,24

 

 

 

 

 

 

 

Zum Vergleich:

 

 

 

        Nächtigungen gesamt

 

 

 

        i. d. übrigen Gemeinden      1,48                              2,90                              4,74                            1,68                 2,76

 

 

Da in den Wintersportgemeinden nur ein sehr kleiner Teil Geschäfts- und Dienstreisen betrifft, stellt das verfügbare private Haushaltseinkommen einen aussagekräftigeren Indikatot dar als das reale BIP.

 

 
           
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             

 

 
           
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             

                      Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistik Austria, ITR-Datenbank und Bearbeitung 

Aus den in Tabelle 4 aufbereiteten ökonomischen Indikatoren  und Nachfragedaten der Wintersportgemeinden Österreichs lassen sich folgende Zusammenhänge ableiten:

 

Cool

 

Struktur- und Trendanalyse der Wintersportgemeinden Österreichs nach Größen des Seilbahnangebotes

 

    Zielsetzung

Im ITR-Tourismusreport Abschnitt werden wichtige Analyseergebnisse nach den Größen des Seilbahnangebotes in den Wintersportgemeinden Österreichs vorgestellt. Den interessierten wintersporttouristischen Leistungsträger/innen in den Winterresorts – von der betrieblichen, über die örtliche bis hin zur regionalen Ebene – soll damit eine fundierte Unterlage zur Verfügung stehen. Die Differenzierung nach den Angebotsgrößen ermöglicht ihnen nämlich u. a. die Einordnung „ihrer“ Wintersportgemeinde in eine der sechs  Angebotsgrößen und damit struktur- und entwicklungsrelevante Vergleichsmöglichkeiten.

Siehe ITR-Tourismusreport 1/2018

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistik Austria, ITR-Datenbank & Bearbeitung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



[1] Fleischhacker, V. (2012): Touristische Ökonomie. Skriptum Bachelor Studiengang Tourismus-Management, 6. Semester, FH Wien der WKÖ Wien;   Campus Shop

[2] Die Konjunktur misst die durch Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ausgelösten Abweichungen der Zuwachsraten des BIPs von ihrem langfristigen Trend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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